Intro: Wir sind am Arsch
95 Prozent aller KI-Projekte in deutschen Unternehmen scheitern. Null Return.
Das ist keine These, das ist eine MIT-Studie von diesem Jahr. Die 5 Prozent, die funktionieren, haben eines gemeinsam: Die Menschen im Unternehmen haben ihre Prozesse aufgeschrieben, bevor sie einen Agenten dazugeholt haben. Das klingt banal. Es ist die Kernaussage dieses Buches.
Ich stehe im Schnitt zweimal im Monat auf einer Bühne vor Firmen wie der Europäischen Zentralbank, B. Braun, TAG Immobilien oder RheinEnergie. Ich bewerte auf Hackathons Teams, die mit 160 Entwicklern in drei Tagen Produkte bauen, die in deutschen Konzernen zwei Jahre bräuchten. Ich betreibe einen Campus in Stuttgart, auf dem Scale-ups, Gründer:innen und Corporates zusammenarbeiten.
Und jeden Montag treffe ich Menschen mit demselben Muster: Sie haben keine Angst vor KI. Sie haben Angst davor, vor ihren Kollegen nicht zu wissen, wie man sie benutzt. Das ist ein Fünf-Minuten-Problem, kein Lebensentwurf-Problem. Trotzdem verlieren wir genau daran gerade den Anschluss.
Die Chinesen — ich war im Frühjahr in Nanjing — haben diese Hemmung nicht. Die Amerikaner, die ich jedes Jahr auf der SXSW in Austin treffe, auch nicht. Die Frage ist nicht, ob deutsche Unternehmen technisch hinterherkommen. Die Frage ist, ob sie verstehen, warum.
Die Antwort ist nicht technisch. Sie ist haltungsgebunden.
Die Welt, in der ihr jeden Tag zur Arbeit geht, folgt Regeln, die älter sind als das Internet. Sprache, Umgangsformen, Hierarchien, Entscheidungswege — alles stammt aus einer Zeit, in der „Disko" ein Ort war und nicht eine Metapher. Und dann setzt sich jemand hin und fragt, wie KI die Firma verändert. Das ist, als würde man fragen, wie man ein Raumschiff auf der Autobahn fährt.
Dieses Buch ist keine Anleitung. Es ist ein Spiegel.
In zehn Geschichten schaust du dir Kollegen an, Chefs, Kunden, Partner, Assistenzen, HR-Leute, Vorstände, neu angefangene Mitarbeiter. Jede Geschichte ist ein echter Fall, den ich selbst erlebt habe — keine zusammengesammelten Anekdoten, keine LinkedIn-Inspiration. Du wirst dich in manchen wiederfinden. In manchen wirst du deine Kollegen erkennen. Das ist das Ziel.
Am Ende gibt es keine dreijährige Transformations-Roadmap. Es gibt drei konkrete Dinge, die ab Montag 08:00 Uhr anders laufen. Nicht, weil ich motivieren will. Sondern weil Dreijahrespläne ab dem Moment, in dem man sie ausdruckt, bereits falsch sind.
Die Generation Z arbeitet jetzt mit euch. Die erste Generation Alpha kommt in die Ausbildung. Beide haben mit KI-Tutoren gelernt, bevor sie lesen konnten. Sie kommen nicht zu euch, um euer Spiel zu spielen. Sie bringen ihr eigenes mit.
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich die Diskussion satt bin. Zu viele Meetings, in denen jemand „wir müssten mal etwas mit KI machen" sagt. Zu viele Workshops, die an der Folge-Mail enden. Zu viele Vorstände, die ihre CIOs fragen, ob die KI-Sache jetzt bitte auch abgeschlossen werden kann.
Lies es. Gib es weiter. Und mach am Montag etwas anders.
— Michael Aechtler, Stuttgart